Dortmund und seine Fußball-Kultur

Es waren schiere Menschenmassen, die am Dortmunder Hauptbahnhof aus den Zügen quollen und in die Innenstadt drängten. Sie kannten nur ein Ziel: den Friedensplatz. Sie kamen aus Essen, vom Niederrhein, aus dem Sauerland und sogar aus benachbarten Bundesländern. Und sie alle wollten nach Dortmund.

Anlass war keine Meisterfeier des BVB, kein auch kein Pokalsieg. Die Menschen wollten Deutschland sehen. Auf einer Leinwand. Dortmund war Spielort der Weltmeisterschaft 2006 und somit einer der Orte mit einem großen zentralen Public Viewing.

Aber was veranlasst Menschen, von außerhalb ausgerechnet nach Dortmund zu kommen, selbst wenn sie das Spiel ohnehin nicht im Stadion sehen können?

Dortmund, die selbsternannte Fußball-Hauptstadt

Public Viewing WM 2006 in der Westfalenhalle. Tausende von deutschen Fans feiern und schwenken ihre Fahnen.
© DORTMUNDtourismus Public Viewing WM 2006, Westfalenhalle

Dortmund geriert sich gerne als Fußball-Hauptstadt. Besonders, aber nicht nur während der WM trug es diesen Titel zurecht. Abgesehen von Ausschreitungen vor dem Spiel gegen Polen feierten in Dortmund Fans aus zahlreichen Nationen friedlich miteinander.

Die Geschichte begann vielleicht im Jahr 1987. Der BVB spielte endlich wieder im UEFA Cup und erwartete in der ersten Runde Celtic Glasgow. Verantwortliche der Stadt beschlossen, die Gäste mitten in der City mit einem Fanfest zu begrüßen. Die Aktion war ein voller Erfolg und wurde noch unzählige Male wiederholt.

In die Stadt gehen, Engländer gucken

Dortmund holte die Gäste-Fans in die Stadt, lud sie zum Biertrinken ein. Die Idee dahinter: Wer freundlich empfangen wird, benimmt sich nicht daneben. Wenn etwa der FC Arsenal, Manchester City oder Tottenham in Dortmund gastieren, musst du dich nicht fürchten. Fahr in die Stadt, geh „Engländer gucken“. Die tun nix, die wollen nur singen.

Diese positive Grundhaltung zeigte Dortmund auch während der WM 2006. Der Slogan „Die Welt zu Gast bei Freunden“ wurde in der ganzen Stadt gelebt. Das sprach sich offenbar rum, so dass die Massen selbst zum Public Viewing in die Westfalen-Metropole strömten, statt sich das Spiel einfach in der Kneipe umme Ecke anzuschauen.

DFB würdigte die Fußball-Hauptstadt mit dem Fußballmuseum

Beleuchtetes Deutsches Fußballmuseum bei Nacht.
© DORTMUNDtourismus Das Deutsche Fußballmuseum.

Das besondere Verhältnis der Stadt zum runden Leder hat auch der DFB gewürdigt, indem er das Deutsche Fußballmuseum nach Dortmund vergab. Vielleicht erinnerte man sich in Frankfurt aber auch einfach nur daran, dass sich in Dortmund die allererste Geschäftstelle des DFB befand.

Das war allerdings um 1910. Lange her. Heute ist Museum. Wenn du mit dem Zug nach Dortmund kommst, ist das Fußballmuseum quasi dein Empfangskomitee. In seinem Innern zeigt dir der DFB seine beeindruckende Trophäensammlung, du kannst in die Erfolge der Nationalmannschaft eintauchen und dich wie ein Weltmeister von 1954, 1974, 1990 und 2014 fühlen, dich als Fußballkommentator versuchen und viele andere Dinge erleben - und das in der Fußball-Hauptstadt.