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Menschen in Dortmund: Im Zeichen der Gastfreundschaft

Was man oft über uns Ruhrpottler denkt: Ach, die Menschen im Ruhrgebiet sind doch so herzlich, so direkt, so ehrlich und so überhaupt nicht link. Der Kumpel unter Tage hat keine Zeit, lange um den heißen Brei herum zu reden. Es wird gehandelt, nicht geschwafelt…

Ja, dieses Ruhrgebiet und seine Menschen sind schon eine Wucht. Vor allem sind sie eines: genervt von diesem ewigen Klischee, Deutschlands dummer August zu sein. Zumal es in Dortmund zunehmend Familien gibt, in denen noch nie jemand „vor Kohle“ oder bei „Karl Hoesch“ gearbeitet hat, sondern die eine Geschichte im öffentlichen Dienst oder in der Versicherungsbranche haben.

Und trotzdem ist es nicht von der Hand zu weisen, dass der Menschenschlag im Revier und eben auch in Dortmund anders ist als der in Oberbayern oder Berlin. Auch wenn es grundsätzlich vielleicht nicht immer klug ist, Menschen über einen Kamm zu scheren, gibt es doch Gemeinsamkeiten. So ist das Abziehbild vom ehrlichen, direkten, hart, aber herzlichen Ruhrgebietsmenschen natürlich auch nicht komplett an den Haaren herbeigezogen. Nur: Wir sagen das gerne selbst, statt es von Fremden über uns zu hören.

Wenn du aus dem Rheinland oder Schwaben nach Dortmund kommst, mag die Art der Menschen hier vielleicht ein bisschen zu zurückhaltend wirken. Kommst du aus dem wortkargen Norden, sind wir dir vielleicht einen Tacken* zu lebhaft.

Woanders is auch scheiße...
- Frank Goosen -

Auch wenn viele Menschen in Dortmund harte Arbeit am Hochofen oder unter Tage nur noch aus Geschichtsbüchern kennen, haben sich bestimmte Charakterzüge doch gehalten. Der vielleicht wichtigste: Gastfreundschaft. Oder noch besser: Akzeptanz ohne Ansehen der Person. Es gibt im Ruhrgebiet kein Pendant zum „Saupreiß“. Wenn du zu uns kommst, bist du hier. Warum sich über Leute ärgern, wenn man auch zusammen grillen kann?

Wir mögen es pragmatisch und auf den Punkt. Darum haben viele hier in der Ecke etwa ein Problem mit der neuen (aufgesetzten) Freundlichkeit in modernen Gaststätten. „Boah*, in der Zeit, wo die ‚Guten Tach‘ sagt, hätte ich schon zwei Pils trinken können“, meckern wir schon mal gerne. Wir mögen’s freundlich, aber bitte sachlich und wenn’s geht, aufn* Punkt und gerne auch effizient. Klare Ansagen sind super!

Doch bei aller Liebe zu Klarheit und Struktur ist der Umgang immer noch herzlich. Es mag ja sein, dass deine Frage nach dem nächsten Supermarkt, mit „rechts“ im Grunde schon erschöpfend beantwortet worden ist. Es ist aber nicht unwahrscheinlich, dass nach der knappen Antwort noch eine ausführliche kommt, zum Beispiel die, dass links noch ein günstigerer Supermarkt ist.

Im Ruhrgebiet sind die Menschen es gewohnt, die Dinge zu nehmen, wie sie sind. Stahlwerke, die zu groß zum Abreißen sind und nicht nach China verkauft werden können, nennen wir „Industriekultur“ und machen was Tolles drauß... Wir finden unsere Städte schön, weil wir keine anderen haben. Oder wie der Bochumer Frank Goosen den Nagel auf den Kopf trifft: „Woanders is auch scheiße“.


* einen Tacken =  hier: ein kleines bisschen zu viel  | Boah = Ausruf von (negativem oder positivem) Erstaunens | aufn = auf den