DortmundOriginal: So ticken die Stadt und ihre Menschen

„Das Beste am Wein ist das Bier danach.“ Dieser Ausspruch des ehemaligen Oberbürgermeisters Günter Samtlebe sagt eigentlich alles darüber aus, wie die Menschen in Dortmund sind: Direkt, aber nicht gemein. Ehrlich, aber nicht verletzend.

Natürlich wäre es zu simpel, zu verallgemeinern. Aber so ein paar Gemeinsamkeiten gibt es unter den Menschen in einer Stadt dann ja doch.

Die Sprache: Dortmunderisch

Das Fußballstadion "Signal Iduna Park" von Außen.
© Stefan Reinke „Brussia“ Dortmund

Sprachlich liegt Dortmund dort, wo es auch landschaftlich liegt: auf der Grenze zwischen bäuerlichem Westfalen und industriellem Ruhrgebiet. Außerdem hat Dortmund eine Jahrhunderte alte Tradition als Handelsstadt. Das alles spiegelt sich in dem hier gesprochenen Zungenschlag wider.

Unser Fußballverein zum Beispiel heißt nur sehr selten „Borussia“ mit einem „o“. Mindestens gleichgestellt sind die Varianten „Brussia“ und „Berussia“.

Wenn dir jemand von der „Berussia“ aus „Doatmund“ erzählt, die „abba* am Wochenende nich* gut gespielt hat, wonnich*?“, dann weißt du, woher die Sprecherin oder der Sprecher kommt.

Auf ein Stößchen: Die Eigenheiten der Dortmunder Bierkultur

Bier. Kannse in Dortmund trinken. Kannse auch bestellen, musse abba* können, kommt drauf an, watte wills*. „Bier“ ist immer erst mal Pils. Es gibt aber auch Export. Und komische Sorten wie Weizen - die lassen wir jetzt aber mal außen vor.

Die Dortmunder Bierkultur treibt vor allem in traditionellen Kneipen so ihre Blüten. Dabei spielen die Größen und Formen der Gläser sowie die Art und Weise, wie das Bier gezapft wird, eine Rolle. Wenn um dich herum Begriffe wie „Durch“ oder „Stößchen“ fallen, beobachte einfach, was passiert.

Schocken: Beliebter Kneipensport bei Jung und Alt

Hasse ma* Becher und dreizehn Deckel?“, hört man sehr oft in Dortmunder Kneipen. Der Wirt weiß dann bescheid: Hier wollen Leute schocken. Nein, nicht schockieren, sondern schocken. Das im ganzen Ruhrgebiet beliebte Würfelspiel hat in jeder Stadt so seine eigenen Regeln. Gastspieler (vulgo: Opfer) sind immer gerne gesehen. Du kannst schocken quasi per Learning by Doing lernen. Das kann aber teuer werden. Besser: Erst mal kucken.

Kommt auf den Pommes watt drauf?
Schranke!

Heftig deftig: Dortmunds Küche

Salzkuchen mit Mett und Zwiebeln. Eine Art Bagel mit Salz und Kümmel bestreut, gefüllt mit Mett und belegt mit Zwiebeln.
© DORTMUNDtourismus Typisch Dortmund: Salzkuchen mit Mett und Zwiebeln

Früher, als in Dortmund noch körperlich gearbeitet wurde, waren große Portionen gefragt. Die deftige westfälische Landküche hat darum in Dortmund ebenso ihre Spuren auf den Speisekarten hinterlassen wie der Hunger der Bergmänner und Stahlkocher. Hasse Kohldampf, musse futtern. Einer der Klassiker: Schnitzel-Variationen, die meist Namen tragen wie „Braumeister“, „Bierkutscher“ oder „Bergmann“. Hauptsache, der Name rechtfertigt die Portionsgröße. Das Schnitzel kommt dann gerne in Begleitung von noch einem Schnitzel sowie Bratkartoffeln, Speck und Spiegelei.

Weltweit nur in Dortmund gibt es den Salzkuchen, der kein gar kein Kuchen ist. Salz ist aber drauf. Und Kümmel. Und Mett (oder Käse oder Schwartemagen). Außerdem hat der Salzkuchen ein Loch - das schmeckt am besten. Glaubse nich!* Is klar.*

Die Steigerung von gut bürgerlich ist in Dortmund das Pfefferpotthast, ein Gericht, dessen historischer Bedeutung die Stadt alljährlich mit einem Fest auf dem Alten Markt gedenkt. Es handelt sich um eine Art mittelalterliches Gulasch mit teuren Zutaten. Pfeffpotthast umweht der Hauch der alten Mittelalterstadt Dortmund.

In wachsendem Varianten-Reichtum zu haben: die gute, alte Currywurst (gerne auch Kürriwurst ausgesprochen). Anders als in Berlin gehören im RuhrpottPommes bei die Wurst*. Und auf die Pommes kommt was drauf, meistens Majo und/oder Soße (Frage: „Kommt auf den Pommes was drauf?“ Antwort: „Pommes Schranke!“*). Außer du machst Diät. Dann geht‘s auch ohne Majo.

Diese Viertel solltest du kennen

Großes Straßenschild zur Kaiserstraße mit der Aufschrift: Gut leben und einkaufen Kaiserviertel Dortmund
© DORTMUNDtourismus Willkommen im Kaiserviertel.

Dortmund ist vielseitig. Am Stadtrand quasi komplett grün, in der Mitte nicht immer die schönste Stadt der Welt, aber fast. Es gibt Ecken, denen solltest du bei deinem Besuch aber auf jeden Fall eine Visite verpassen.

Die Nordstadt zum Beispiel. Ja, du denkst jetzt „No go Area“ und so. Stimmt aber so nicht ganz. In der Nordstadt gibt es viele coole Kneipen, tolle Kinos, einen hervorragenden Burgerladen und viele internationale Spezialitätenrestaurants. Und natürlich den Borsigplatz.

Ganz anders sind die bei Studenten und jungen Familien beliebten Viertel. Das Kaiserviertel, das Saarlandstraßenviertel, das Kreuzviertel und das Klinikviertel. Diese vier Straßenzüge schmiegen sich von Osten bis Südwesten an den Innenstadtwall und zeichnen sich durch schöne, alte Bebauung und urbanes Flair aus. Hier findest du viele kleine Restaurants und Geschäfte. Speziell im Kreuzviertel existiert eine tolle Mischung aus guten Restaurants und urigen Kneipen, die es so nicht noch einmal in Dortmund gibt.


* abba = aber | nich = nicht |  wonnich = nicht wahr?; stimmt´s? | musse abba = musst du aber | watte wills = was du willst / möchtest | hasse ma = hast du einmal | glaubse nich = glaubst du nicht | is klar! = Natürlich! / Ja klar! (Ausruf) | Pommes bei die Wurst = Pommes frites zur Wurst | Pommes Schranke = auch Pommes rotweiß - Pommes mit Sauce und Mayonnaise